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Getreidebearbeitung in der Mühle

Es ist unglaublich, wie viel Energie und Anstrengung dem Menschen die Neuerungen seiner Ernährung kostete. Nichts war so mühsam wie die Gewinnung von Nahrung. Doch der natürliche Hunger lieferte dem Menschen immer neue Ideen, wie er an das bessere Essen kommen kann. Auch das Mahlen des Korns ist keine Ausnahme. Die ersten Menschen mahlten ihr Korn in einem hölzernen Mörser. Das war eine ziemlich anstrengende Aufgabe, da das Korn von einer harten Schutzschale umschlossen ist. Auch dauerte es ziemlich lange, bis das ganze Korn auf diese Weise zu Mehl verarbeitet werden konnte. Als Hilfsmittel dienten Mörsern aus Holz und die Energie des eigenen Körpers. Mit Hilfe eines Mörsers erhielt man grob gemahlenes Mehl. Daher war auch die Qualität des daraus gebackenen Brotes entsprechend schlecht. Wollte man feines Mehl, zermahlte man die Körner mit einem Reibstein. Auch das war mit viel Anstrengung verbunden. Das Zermahlen mit dem Reibstein dauerte manchmal Wochen, bis man ein einziges Kilogramm Mehl hatte. Außerdem hatte man dabei noch einen anderen Nachteil: der feine Staub des Steins, der während dem Zermahlen entstand, vermischte sich mit dem Mehl. Dadurch wurde die Qualität des Brotes erheblich beeinträchtigt. Aß man solches Brot, fühlte man feinen Sand auf der Zunge und en Zähnen. Der Staub gelang in den Magen und rief diverse Magenbeschwerden hervor. Man sollte nicht vergessen, dass das Immunsystem des Menschen damals ziemlich schwach war.



Auch heute noch gibt es entlegene Gebiete in Afrika, wo das Getreide auf eine sehr einfache Weise verarbeitet wird: eine Konstruktion, die aus einer Achse und zwei massiven Holzrädern auf beiden Seiten besteht, macht das Korn zum Mehl, indem die Achse im Kreis bewegt wird. Meistens ist das ein typischer Frauenjob, der allerdings sehr viel körperliche Anstrengung verlangt.

Obwohl die Technologie der Getreidebearbeitung sich immer mehr modernisiert, gibt es immer noch Mühlen, die seit dem frühen Mittelalter unermüdlich ihre Arbeit tun. Wo erste Mühlen entstanden sind, ist umstritten. Da Getreide in allen europäischen Ländern des Mittelalters bearbeitet wurde, ist es schwer, ihren Entstehungsort nachzuweisen. Allerdings gibt es Berichte aus der Antike, die mühlenähnliche Konstruktionen beschreiben. Erste volltüchtige Mühlen wurden von der Windenergie betrieben. Vermutlich entstanden sie in Frankreich. Doch waren die Windmühlen an die Wetterbedingungen gebunden. Im Laufe der Zeit wurden sie von den Wassermühlen abgelöst. Sie hatten mehr Vorteile gegenüber ihren Vorgängern. So konnte man das Getreide auch dann vermahlen, wenn es keinen Wind gab. Wasserquellen gab es im mittelalterlichen Europa genug. Mühlen entstanden also im Mittelalter. Doch den Müller als Beruf gab es schon lange vorher. Er entstand noch in der römischen Zeit. Die Berufe von Müller und Bäcker, da sie mit einander verbunden waren, entstanden fast gleichzeitig. Bereits im antiken Rom vermahlte man das Getreide mit der Energie des Wassers. Diese Wassermühlen waren für den damaligen Stand der Technologieentwicklung ziemlich modern: mit Zahn- und Schaufelrädern und einem Mühlstein. Auch die Leistung dieser Mühlen war beachtlich: ca. 150 kg. Getreide pro Stunde! Wassermühlen wurden nicht an einem beliebigen Ort errichtet, sondern ihr Bau und Platzierung wurden sorgfältig geplant und durchgeführt. Meistens standen sie an einer größeren Wasserquelle, um genügend Wasser zum Antreiben der Mühle zu haben.

Auch wenn moderne Mühlen nach dem Vorbilde der alten Mühlwerken errichtet werden, kann man sie mit ihren Vorgängern nicht vergleichen. Auch das berühmte italienische Universalgenie Leonardo da Vinci arbeitete an den Plänen einer Großmühle. Seine Mühle sollte ein aufwendiges Triebwerk haben und teilweise aus Metall sein. Doch ist seine Konstruktion nur auf dem Papier geblieben, weil der große Meister kurz darauf verstarb.

Heutzutage werden meistens voll mechanisierte Mühlen in Betrieb gesetzt, die computergesteuert werden. Dem Menschen bleibt nur die Aufgabe, den Prozess zu überwachen und das Resultat zu begutachten. Wie jede große Entwicklung, wird auch die Entstehung von den vollautomatischen Mühlwerken nach Amerika verlagert. Allerdings wurden erste vollautomatische Mühlen ebenfalls mit der Kraft des Windes angetrieben. Neu war vor allem die Konstruktion des Fließbandes. Das Getreide und das Mehl wurden so transportiert, dass der Müller sich nicht mehr anzustrengen brauchte. Später kam eine Neuerung aus der Schweiz, wo es schon immer ganz viele Brotsorten gab. Sie bestand darin, dass schwerbewegliche Mühlsteine durch leichtere Walzen aus Porzellan ausgetauscht wurden. Diese Neuerung brachte sowohl die Quantität als auch die Qualität des Mehls auf einen neuen Stand.

Das Vermahlen des Getreides in der modernen Mühle wird vom Anfang bis zum Ende voll automatisch geregelt. Das betrifft auf die Vorbereitung des Getreides. Vor dem Mahlvorgang müssen die Körner unbedingt trocken sein. Durch manchmal lange Lagerperioden wird das Korn feucht und muss gelüftet und getrocknet werden. Allerdings muss das Getreide nicht ganz trocken sein, da die Körner im Wühlwerk sonst schnell kaputt gehen. Deswegen wird der Feuchtigkeitsgehalt der Körner automatisch geregelt. Dabei wird das Getreide leicht geschüttet, kurz oder länger, je nachdem, wie trocken es vor dem Vermahlen sein soll. Die faulen Körner werden ausgesiebt. Der einzige Nachteil der Vollautomatik ist die Tatsache, dass sie nicht immer faule und gute Körner auseinander halten kann. In den modernen Mühlen hat man die Möglichkeit, das Getreide fein oder grob zu vermahlen. Will man grobes Mehl, werden die Körner in einem speziellen Vorgang geschrotet. Feines Mehl entsteht durch das Ausmahlen mit glatten Walzen. Das ist aber noch nicht alles. Auch der Grad der Feinheit lässt sich einstellen. Ist der Mahlvorgang zu Ende, kommt die Endphase, in der das Mehl - ebenso vollautomatisch - gelockert, gewogen und schlussendlich verpackt wird. Bei Bedarf werden die Mehle gemischt.

Moderne Mühen sind meistens sehr große Anlagen, die viel Platz benötigen. Dementsprechend hoch sind ihre Wartungskosten. Die Arbeitsteile solcher Anlagen müssen ständig kontrolliert werden, weil davon die Qualität des Endproduktes erheblich abhängt.